Institutionelle Ebene

Institutionen, gemeint sind damit Heimeinrichtungen, Wohngruppen, Erziehungsstellen, auch Pflegefamilien und jegliche Jugendhilfeträger, Behörden wie das Jugendamt, Gerichte, Schulen, haben immer eigene Regeln für den Einzelnen und die Gruppen. Diese Regeln bestimmen darüber mit, wie und in welcher Art man welche Hilfe bekommt.

Teile uns deine Ansicht zu den folgenden Fragen mit:
Wie müssen die Institutionen, also die Wohngruppen, die Pflegefamilie oder das Jugendamt oder Schule beschaffen sein, damit Beteiligung von allen Beteiligten (Jugendliche, Mitarbeiter_innen, Eltern) möglich ist – möglicher wird?
Wo und wann wirst du in „deiner“ Institution beteiligt?
Wo passiert das nicht? Ist die Beteiligung irgendwo abgesichert (z. B. in Regeln oder Vereinbarungen)?
Wo und wann wünscht du dir mehr Beteiligung in Wohngruppen oder Pflegefamilie oder von Seiten des Jugendamtes oder der Schule?
Was können diese Institutionen – deiner Meinung nach – besser machen?
Was machen sie gut?

13 Gedanken zu „Institutionelle Ebene

  1. Jugendliche antworten in Diskussionsrunde auf die Frage: Wo und wann wirst du in deiner Gruppe beteiligt?

    – Hilfplan-Vorbericht und Hilfeplangespräch

    – Ausflüge

    – Gruppengespräch

    – Planung der Ferienfreizeit

    – Essensplan, Einkaufsliste

    – Einkaufen

    – Einstellungsverfahren (Sowohl Mitarbeiter als auch Praktikanten)

    – Kinder- und Jugendparlament

    – Veranstaltungen, bei denen das Rahmenprogramm mitgestaltet werden kann (z.B. das Sommerfest)

    – Haus- und Zimmerdekoration

    – Einkauf von Freizeitartikeln (z.B. DVD’s, Spiele)

    – Besondere Kochanlässe (z.B. für den Ramadan)

    – Das Planen von Feiern (Geburtstage, Abschiede, etc.)

    – Dinge, die einen persönlich betreffen (z.B. welche Schule besucht wird)

    – Möglichkeit, den Vormund zu wechseln bei nicht überwindbaren Schwierigkeiten

    • Mitarbeiter_innen antworten auf die Frage: Was könnte in Deiner Gruppe besser gemacht werden?

      – Mitarbeiter (Mitarbeiter-Parlament) und Jugendliche (Kinder- und Jugendlichen Parlament) sollten ihre Partizipationsmöglichkeiten besser ausschöpfen.

      – Mehr Erlebnispädagogik, um Teamgeist zu stärken

      • Jugendliche antworten bei Diskussionsrunde auf die Frage: Was könnte in Deiner Gruppe besser gemacht werden?

        – Kurzfristige Entscheidungen, ob man zum Beispiel bei einem Freund übernachten kann (nicht alles im Team entscheiden)

        – Weniger Gruppenstrafen, mehr Einzelstrafen (z.B. Die Waschmaschine war in unserer Gruppe ständig kaputt, weil sie falsch bedient wurde. Dann haben die Mitarbeiter den Waschraum für alle abgeschlossen und man konnte nur noch in Begleitung der Mitarbeiter in den Raum. Z.B. Aus unserer Speisekammer sind ständig Lebensmittel verschwunden. Dann wurde die Speisekammer in unserer Gruppe abgeschlossen und man konnte nur in Begleitung eines Mitarbeiters hinein).

        – Keine Straf-Küchendienste

        – Weniger Demokratie beim Fernseh-Gucken (ich will auch mal alleine entscheiden, was geguckt wird. Dann ist mir egal, was die Mehrheit gucken möchte).

        • Mitarbeiter_innen bei Diskussionsrunde

          – Der Budgetgestaltung

          – Bereichsleiter-Auswahl

          – Beauftragung von Dienstleistern nicht zentral gesteuert, sondern als Gruppenentscheidung (z.B. Handwerker selbst beauftragen, mit denen man bekannt ist oder gut zusammengearbeitet hat)

          – Mehr Mitsprache bei der Aufnahme von Jugendlichen

            1. Wir sind ein Jugendhilfeträger ausschließlich mit Einzelbetreuungsangeboten. Es wird versucht, ein Maximum an Informationen über das Kind zu bekommen (Jugendämter sind da manchmal etwas knausrig) und dann mit dem vorgesehenen Einzelbetreuer der Fall durchgesprochen, wobei dieser ohne Konsequenzen für ihn den Fall ablehnen kann. Ich habe aber oft in Übergabesituationen erlebt, daß Mitarbeiter von Wohngruppen sich beklagt haben, daß ihnen die Geschäftsleitung Kinder in die Gruppe setzt, wo von vornherein klar war, daß das Setting nicht funktionieren kann und die Mitarbeiter das auch wußten. Ein Mitspracherecht scheint also eher nicht die Regel zu sein. Oder andersrum, wo die Mitarbeiter kein Mitspracherecht haben, ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Maßnahme scheitert (nur dann kommen wir zum Einsatz), offensichtlich höher als mit Mitsprache. Das sollte auch den Trägern bewußt sein.

            2. Jugendliche bei Diskussionsrunde zu der Frage:
              Wo wirst du in deiner Gruppe nicht beteiligt? Bzw., wo oder was hindert dich an einer Beteiligung?

              – Höhe des Taschengeldes

              – Altersgrenzen bei Spiele und Filmen

              – Dienstplangestaltung

              – Keine Teilnahme am Team (die Mitarbeiter reden im Team über uns, wir würden gerne in Teilen dabei sein, um unsere Sichtweise einzubringen)

              – Schweigepflichtentbindung innerhalb des Teams (die Mitarbeiter berichten sich gegenseitig und wir würden wollen, dass manche Dinge nicht im Team besprochen werden, sondern persönlich bei einem Mitarbeiter bleiben

              – Mehr Mitsprache bei der Aufnahme von Jugendlichen

              • Mitarbeiter_innen antworten bei Diskussionsrunde auf die Frage:
                Wo und wann wünscht Dir mehr Beteiligung in Deiner Wohngruppe?

                – Jugendliche sollten am Beschwerdemanagement beteiligt sein.

                – Jugendliche sollten an Konzeptdiskussionen beteiligt sein.

                – Die Jugendlichen sollten bei Streitschlichtungen mehr beteiligt sein.

                • Jugendliche bei Diskussionsrunde auf die Frage:
                  Wo und wann wünscht Dir mehr Beteiligung in Deiner Wohngruppe?

                  – Wir werden bei der Einstellung von Mitarbeitern beteiligt, würden aber gerne auch verlässlich bei der Einstellung von Praktikanten beteiligt werden. Manchmal sind Praktikanten komisch und stören den Gruppenalltag.

                  – Höhe des Taschengeldes

                  – Wir würden uns Beteiligung bei der Ausgestaltung der Arbeitsweise von Pädagogen wünschen. Z.B. im Hinblick auf: Mitarbeiter beteiligen sich mehr beim Kochen und Aufräumen der Küche.

                  – Mitarbeiter sollten mehr eigene Entscheidungen treffen und nicht immer sagen: Das besprechen wir im Team.

                  – Vom Jugendamt würden wir uns wünschen, dass sie darauf hören, wenn man nicht in eine bestimmte Gruppe ziehen möchte.

                  – Beteiligung bei der Entscheidung, wer in die Gruppe einziehen kann. Manchmal werden Jugendliche aufgenommen, die den Gruppenalltag stören.

                  – Beteiligung bei der Termingestaltung bei Ärzten, Hilfeplangesprächen etc. Es werden Termine ausgemacht, ohne dass wir gefragt werden, ob wir Zeit haben.

                  – In den meisten Gruppen können die Jugendlichen mitbestimmen, wie die Wohngruppe gestaltet wird. In einer Gruppe bestimmen die Mitarbeiter viel zu sehr nach ihrem Geschmack, wie die Gruppenräume aussehen (Wohnzimmer, Esszimmer, Flur etc.)

                  – Wir würden gerne zeitlich begrenzt an Teamsitzungen teilnehmen, um unsere Sichtweise auf die Themen darzustellen. Die Mitarbeiter reden alleine und wir fragen uns, was sie reden.

                  – Ich wünsche mir mehr Beteiligung bei der Anschaffung von Spielmaterialien. Ich bin seit einigen Wochen in der Gruppe. Wir haben eine Wii. Ich würde aber viel lieber eine Playstation haben.

                  • Jugendliche Antworten in Diskussionsrunde im Schwerpunkt:
                    Beteiligung gelingt, wenn ich mich mit einem oder mehreren Mitarbeitern gut verstehe. (Das Gruppengespräch ist ihnen methodisch auch noch eingefallen. Obwohl wir die Diskussion im Partizipationswochenende geführt haben, ist ihnen dies zum Beispiel nicht als Vereinbarung zur Absicherung von Beteiligung in den Sinn gekommen.

                    • Mitarbeiter in einer Diskussionsrunde zu der Frage:
                      Partizipationsseminar, Kinder- und Jugendparlament, Gruppengespräche, Interne Audits mit Fragen zu pädagogischen Themen an die Jugendliche, Erstellung von Vorberichten mit Eltern und Jugendlichen etc.

                      • Das Problem ist weniger die Partizipation in der Einrichtung, die läßt sich mit Professionalität und etwas gutem Willen durchaus sicherstellen. Problematisch ist die Partizipation bei der Auswahl der Hilfe bzw. beim Wechsel der Einrichtung. Ohne Vorinformation, ohne entsprechende Hilfeplanung und ohne Berücksichtigung der Interessen des Kindes werden Hilfen installiert und Einrichtungen gewechselt. Beispiel: Das Kind kann zwar entscheiden, welche DVDs in der Bibliothek ausgeliehen werden, erfährt aber erst am abend vorher, daß es am nächsten Tag in eine andere Einrichtung wechselt – der Leitung und den Mitarbeitern war es seit Monaten bekannt, aber sie durften das Kind nicht informieren (und haben es im eigenen Interesse auch nicht gemacht, so konnte man bis zum letzen Moment friedlich mit dem Kind arbeiten und überließ die Reaktion auf den Wechsel den Mitarbeitern der anderen Einrichtung). Da das kein einzelfall ist, steht die Frage im Raum, wo der strukturelle Fehler liegt. eigentlich sollte nach § 36 SGB VIII vorher im Hilfeplangespräch alles unter Beteiligung des Kindes geklärt werden. Aber was passiert, wenn die Hilfeplanung nicht oder erst im nachheinein stattfindet ? Vielleicht gibt es ähnliche Erfahrungen und Wege, diese zu vermeiden ?

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